Aktuelles

Medikamentenskandal: Valsartan verunreinigt!

Valsartan ist ein Wirkstoff, welcher blutdruckregulierend wirkt, d.h. bei Patienten eingesetzt wird, welche dauerhaft einen zu hohen Blutdruck haben. Das Medikament gibt es in Deutschland von verschiedenen Herstellern und in verschiedenen Konzentrationen, teilweise auch als sog. Compositum, d.h. zusammen mit einem anderen Wirkstoff (Hydrochlorothiazid) in einer einzigen Tablette. Ob der Wirkstoff Valsartan in einem Medikament enthalten ist, steht auf jeder Packung bzw. ist Bestandteil des Arzneimittelnamens.

Im heißen Sommer dieses Jahres ist es aufgekommen: Der von einem chinesischen Zulieferer für verschiedene deutsche Pharma-Konzerne produzierte Wirkstoff Valsartan war zum Zeitpunkt der Auslieferung mit diversen Nitrosaminen belastet. Dabei könnte es sein, dass diese Verunreinigung von Valsartan bereits fortlaufend seit einigen Jahren besteht; als Ursache hierfür kommt eine im Jahr 2012 erfolgte Umstellung der Produktion bei dem chinesischen Zulieferer des Wirkstoffes in Betracht.

Nitrosamin ist eine krebserregende Substanz, die aus Nitriten und Aminen entsteht. Sie konnte in Tierversuchen als einer der am meisten karzinogenen Stoffe überhaupt bestimmt werden (Karzinogene sind Stoffe, die Krebs erzeugen oder die Krebserzeugung fördern können). Nitrosamine schädigen den Körper, indem sie vom menschlichen Stoffwechsel ab- bzw. umgebaut werden und diese umgebauten Stoffwechselprodukte sich an die Erbsubstanz des Menschen anlagern und somit deren Replikation stören können. Bei zu großen Veränderungen der DNA kommt es zur Krebsbildung, da sich Ablesefehler häufen. Da Nitrosamine Membranen leicht durchqueren können, können sie an so gut wie jedem Organ im Körper Krebs erregen.

Die Präparate einer Reihe von Herstellern wurden deshalb EU-weit zurückgerufen; sie dürfen nicht mehr in Apotheken abgegeben werden. Seit Juli 2018 gibt es allmonatlich neue, d.h. weitere Rückrufaktionen Valsartan- und anderer Sartan-haltiger Arzneimittel. Eine bei neuen Meldungen jeweils aktualisierte Liste der (Chargen-)Rückrufe Valsartan-haltiger Arzneimittel findet sich unter https://www.abda.de/amk-nachricht/artikel/online-nachricht-amk-liste-der-chargenbezogenen-rueckrufe-valsartan-haltiger-arzneimittel/

Wer sich nicht sicher ist, ob das – möglicherweise bereits seit geraumer Zeit – von ihm eingenommene Medikament zu den verunreinigten bzw. zurückgerufenen Arzneimitteln gehört, sollte seinen Apotheker hiernach fragen.

Nach alledem wird jedem Patienten, der eines der betroffenen Medikamente eingenommen hat, dringend geraten, sich seine Schadenersatzansprüche (Schmerzensgeld u.a.) zu sichern. Dabei ist zunächst einmal völlig egal, ob er oder sie während des Zeitraumes der Einnahme des Medikamentes bereits an Krebs erkrankt ist oder (noch) nicht.

Narkosearzt im Krankenhaus Donauwörth steckt Patienten mit dem Hepatitis-C-Erreger an:

Man möchte es nicht glauben und man kann es sich eigentlich auch gar nicht wirklich vorstellen. Man geht in das Krankenhaus seines Vertrauens, um sich dort operieren zu lassen und wird mit einem Erreger angesteckt, welcher eine lebensgefährliche Lebererkrankung hervorruft. Und das nicht einmal etwa nur zufällig, sondern weil ein medikamentenabhängiger und psychisch kranker Narkosearzt sich selbst an Krankenhaus eigenen Medikamenten bedient, sich diese selbst spritzt und dann dieselbe Spritze zur Betäubung von Patienten verwendet, welche operiert werden sollen.

So eine – nicht anders erklärbare – Vermutung, welche vor wenigen Wochen aufgekommen ist und Bayern weit durch die gesamte Presse geht.

Allein schon die Zahl lässt einen erschaudern: 1200 Patienten könnten betroffen sein; wie viele Patienten jedoch tatsächlich betroffen sind, ist heute noch gar nicht absehbar. Dies haben die Verantwortlichen des Krankenhauses Donauwörth nach Durchsicht von 7500 Operationsprotokollen ermittelt.

Alle potenziell betroffenen Patienten, d.h. alle Patienten an deren Operation der betreffende Narkosearzt beteiligt war, will das Krankenhaus Donauwörth per Brief informieren oder hat schon getan.

Den entsprechenden Zeitraum konnten die Verantwortlichen auf die Spanne zwischen November 2016 und April 2018 eingrenzen. Die Erkrankung an Hepatitis C kann zwar eine Zeit lang klinisch stumm verlaufen, d.h. ohne Symptome zu zeigen; auch in diesem Zeitraum schädigt sie aber die Leber, was im Endeffekt lebensbedrohlich sein kann und darum nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.

Urteile und Beiträge

Verletzung des Darmes bei Darmspiegelung

Auch wenn tagtäglich in Deutschland mutmaßlich Hunderte von Darmspiegelungen komplikationslos durchgeführt werden, kommt es hierbei relativ selten, doch leider immer wieder einmal zu einer sogenannten Darmperforation (das ist eine Durchstoßung der Darmwand durch die in den Darm eingeführten Arbeitsgeräte).

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Vaginale Entbindung oder Kaiserschnitt?

Die vaginale Geburt ist seit Millionen von Jahren die natürlichste Art, Kinder auf die Welt zu bringen. Von der Evolution her hat dieser Geburtsweg auch seinen Sinn. Nicht nur, dass Kinder beim Weg durch den Geburtskanal mit Kleinstlebewesen (welche die menschliche Körperoberfläche gleichermaßen wie die inwendigen Schleimhäute usw. besiedeln) in Kontakt kommen und bereits hierdurch ihr Immunsystem stimuliert werden soll.

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Haftung des Krankenhauses nach Infektion mit einem MRSA-Keim?

In letzter Zeit hört man immer wieder davon, dass Patienten sich in Krankenhäusern mit Keimen infizieren, die nicht mehr mit den gängigen Antibiotika inclusive von Penicillin behandelt werden können, weil die Keime schlicht und einfach resistent gegen diese Medikamente sind. Vereinzelt hört man sogar davon, dass Patienten, welche solche Keime haben, hieran sterben können. Die Dunkelziffer ist hoch.

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Ultraschall in der Schwangerenvorsorge

Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich mit der Schwangerenvorsorge mittels der als „Baby-Fernsehen“ bekannten Ultraschalluntersuchungen: Obwohl der die Schwangerschaft begleitende Gynäkologe einer 24-jährigen im Rahmen mehrerer Ultraschalluntersuchungen keinen Hinweis auf eine genetische Störung bzw. auf Fehlbildungen erkennen konnte, ist das Kind letztlich mit einem sog. offenen Rücken und einem Hydrocephalus (Wasserkopf) auf die Welt gekommen.

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Schmerzensgeld beim Tod von nahen Angehörigen

Es ist unglaublich, aber – bislang jedenfalls – wahr: Stirbt ein naher Angehöriger durch einen ärztlichen Behandlungsfehler, dann ist das für die Haftpflichtversicherung des Arztes in der Regel sehr viel günstiger, als wenn der Patient den Behandlungsfehler überlebt und lebenslang geschädigt bleibt (etwa weil er zum Pflegefall geworden ist).

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Was haben Schere, Tupfer und Bauchtuch gemeinsam?

Ja, es ist tatsächlich so, auch wenn man dies kaum glauben mag: Schere, Tupfer & Co. werden "gerne", d.h. relativ häufig bei Abschluss einer Operation im Körper des Patienten vergessen.

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BGH, Beschluss vom 26.02.2013 -
VI ZB 59/12

Die Kosten für ein Privatgutachten, welches außergerichtlich eingeholt wird, um z.B. die Frage nach dem Vorliegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers zu klären, sind dann zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig und erstattungsfähig, wenn eine verständige und wirtschaftlich vernünftige Partei diese Maßnahme als sachdienlich ansehen durfte.

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Das „neue“ Patientenrechtegesetz

Es geht gerade durch die Medien, dass „Patienten in Deutschland laut Union und FDP künftig per Gesetz wirksam vor gefährlichen Ärztefehlern geschützt werden sollen.“

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Steuerliche Abzugsfähigkeit der Kosten eines Arzthaftungsprozesses

Besprechung des BFH-Urteils vom 12.05.2011 VI R 42/10,
BStBl. II 2011,1015 . Seit den späten 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Bundesfinanzhof regelmäßig die steuerliche Abzugsfähigkeit von Kosten eines (verlorenen) Zivilprozesses verweigert. Die Begründung hierfür lautete, dass solche Prozesskosten einem Steuerbürger nicht zwangsläufig entstehen würden, weil niemand verpflichtet sei, einen Prozess zu führen; vielmehr sei dies immer die freie Entscheidung von jemand, der einen rechtlichen Anspruch gegen einen anderen zu haben meint. 

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Ärztliche Aufklärungspflicht – Kausalität einer Pflichtverletzung bei Unterlassen

BGH Urteil vom 07.02.2012 – VI ZR 63/11
Der BGH hat in der oben genannten Entscheidung festgestellt, dass im Falle einer Pflichtverletzung durch Unterlassen der Patient den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Unterlassen und dem eingetretenen Schaden zu beweisen, d.h. der Patient muss den Nachweis erbringen, dass ein pflichtgemäßes Verhalten den Eintritt des Schadens verhindert hätte.

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Grober Behandlungsfehler als Missachtung von elementaren medizinischen Grundregeln

BGH Urteil vom 20.09.2011 – VI ZR 55/09
Der BGH hat in einer neueren Entscheidung den Begriff des groben Behandlungsfehlers präzisier ausformuliert: Ein grober Behandlungsfehler liegt dann vor, wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.

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Beweislastumkehr bei Vorliegen eines einfachen Befunderhebungsfehlers

BGH, Urteil vom 13.09.2011 Az: VI ZR 144/10 
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jüngst seine Rechtsprechung dahingehend bestätigt, dass auch ein einfacher (also nicht nur ein grober) Befunderhebungsfehler zu einer Umkehr der Beweislast hinsichtlich der Kausalität eines Behandlungsfehlers für den eingetretenen gesundheitlichen Schaden eines Patienten führen kann, sofern sich bei der gebotenen Abklärung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein reaktionspflichtiges positives Ergebnis gezeigt hätte und sich die Verkennung dieses Befundes als fundamental oder die Nichtreaktion hierauf als grob fehlerhaft darstellen würde.

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Erwerbsschaden eines jüngeren Kindes im Falle eines Geburtsschadens

BGH, 05.10.2010, Az. VI ZR 186/08
Ärztliche Kunstfehler im Rahmen der Geburt eines Kindes mit der Folge der Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr für eine bestimmte Zeit und hieraus resultierenden irreversiblen gesundheitlichen Schäden des Kindes führen häufig dazu, dass das Kind voraussehbar sein ganzes Leben lang keine normale Erwerbstätigkeit ausüben können wird.

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Voraussetzungen einer auf einen bestimmten Arzt bezogenen Einwilligung des Patienten für Operation

BGH, Urteil vom 11.5.2010, Az:VI ZR 252/08
Bei einem sog. totalen Krankenhausaufnahmevertrag (bei einem solchen Krankenhausaufnahmevertrag verpflichtet sich der Krankenhausträger gegenüber dem Patienten zur Vornahme aller für die stationäre Behandlung erforderlichen Leistungen, einschließlich der ärztlichen Versorgung) hat der Patient grundsätzlich keinen Anspruch darauf, von einem ganz bestimmten Arzt behandelt oder operiert zu werden.

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Arzthaftung und kein Ende…

Tagtäglich werden in Deutschland Ärzte und Kliniken wegen sogenannter Kunstfehler zum Schadenersatz verurteilt, von Amtsgerichten, Landgerichten, Oberlandesgerichten und vom Bundesgerichtshof. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Thema Arzthaftung aktueller denn je. 

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Arzthaftung und kein Ende…
Gutachtenergebnis vom Gericht vorgegeben - Wie bitte ?!?

Weil Gerichte in der Regel keine eigene Sachkenntnis von Spezialmaterien haben, über die sie entscheiden müssen, gibt es die gerichtlichen Sachverständigen. Es handelt sich hierbei um Spezialisten aus dem streitigen Fachgebiet, welche nicht selten -besonders aber in der Arzthaftung- Professoren und Oberärzte aus entsprechenden Schwerpunktkliniken sind, häufig auch aus Universitätskliniken.

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Gutachtenergebnis vom Gericht vorgegeben
Das Cauda-equina-Syndrom

Die Frage hört sich auf den ersten Blick merkwürdig oder sogar komisch an. Tatsächlich besteht aber eine äußerst intensive Beziehung zwischen einer bestimmten Art von Querschnittslähmung und einem Pferdeschwanz, welche in der Benennung der hier angesprochenen Erkrankung ihren Ursprung findet, und das nicht ohne Grund:

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